"Mein Fahrbericht mit der GL1800"

Die Gl1800 habe ich jetzt über drei Jahre und bin inzwischen ca. 55000 km damit gefahren. Es waren lange Autobahnfahrten genau so dabei wie Fahrten über die Landstraße und Kurven räubern in den Dolomiten.

Um es schon mal voraus zu nehmen.... ich bin begeistert. Die Goldwing wird wohl mein letztes Motorradmodell sein. vielleicht nicht genau die Maschine, denn es soll noch mal ein Modell jüngeren Baujahres angeschafft werden, aber der Marke Honda, speziell Goldwing, werde ich wohl treu bleiben. Es ist die Maschine, die ich schon immer haben wollte. OK, ich versuche auf jeden Fall in meinem Bericht nicht voreingenommen zu sein und werde mich kurz halten um euch nicht zu langweilen


Das Motorrad-Design:

Über das Aussehen der Maschine kann man sicher Streiten. Der eine findet es genial, der nächste kann sich damit nicht anfreunden. die Bemerkungen gehen von "Anbauwand" über "da kann ich gleich Cabrio fahren" bis "Einbauküche" usw. Ich würde sagen, setzt euch erst mal rauf und fahrt eine Runde. Dann reden wir noch einmal darüber...

Und da komme ich schon zum Handling:

Ich bin immer wieder erstaunt wie leicht sich diese Masse an Motorrad bewegen lässt. Ich bin schon einige, nicht grade leichte Motorräder gefahren. Aber die GL1800 fährt sich wie ein viel leichteres Motorrad. Das verdank man sicher ihrem tiefen Schwerpunkt und dem guten durchzugsstarken Motor. Für eine Reisemaschine ist sie sehr agil und man kann sie ohne weiteres auch in einer flotteren Gangart bewegen. Dabei lässt sich sich auch von engen Kurven nicht wirklich beeindrucken. Die Maschine legt sich sehr gut und ohne Anstrengung in die Kurven bis die Rasten am Asphalt kratzen. Dabei sind die Reifen noch nicht am Limit, leider aber die Maschine. Nicht, weil das Handling oder die Masse es nicht her gibt, sondern die Rasten geben das Ende der Schräglage vor. Der Geradeauslauf auf langen Strecken wie Autobahnen ist fast perfekt. Mit 160km/h, Sozia und Gepäck, kein Problem. Dank des Tempomaten ist es ein entspanntes fahren. Die Maschine wird auch bei der Geschwindigkeit und darüber hinaus nicht wirklich laut. Die 160km/h auf Autobahnen sind für mich bei der Gl1800 zum Standard geworden. Natürlich soweit es erlaubt ist. Ein gutes vorwärts kommen ohne, dass es anstrengend wird.

Doch kleine Mankos gibt es auch:
 

Mit der Sitzposition habe ich mich zwar inzwischen angefreundet, aber irgendwie passt es nie richtig. Das, obwohl ich mit 1,72m nicht grade zu den Großen gehöre. Vielleicht auch ungewohnt da ich immer Cruiser gefahren bin, habe ich das Gefühl, dass die Füße zu sehr angewinkelt sind. Besserung habe ich erreicht indem ich die Fußrasten durch eine Trittbrettanlage ersetzt habe. Dadurch wurde auch gleich der Schalthebel durch eine Schaltwippe ersetzt was ich als sehr angenehm empfinde.
Zusätzlich wurden vorverlegte Rasten angebaut. Auch da war ich immer noch am testen welche Einstellung die beste für mich ist. Inzwischen habe ich mich für die "Erog lll" Rastenanlage von "Kuryakyn" entschieden. Sie hat viele Einstellmöglichkeiten und hebt sich durch Federlagerung bei Nichtbenutzung um nicht frühzeitig in Kurven zu schleifen. Trotz der Größe der Maschine sollten also Leute mit "Gardemaß" von 1,80m und grösser auf jeden Fall eine Probefahrt einplanen. bei langen Beinen kann es auch passieren, dass die Knie an die Verkleidung der Kanzel stoßen. Der Lenker lässt sich leider weder in der Höhe noch im Abstand zum Fahrer verstellen. Das war bei der GL1500 noch möglich. keine Ahnung warum das nicht beibehalten wurde. Es gibt Distanzstücke um die Lenkerenden in kleinen Maße zu ändern, auch gibt es "Zubehörlenker" die man dann einstellen kann. Es diese An- und Umbauten zwar auch in Deutschland zu kaufen, ich bezweifle aber, dass sie den Segen des TÜV haben oder bekommen. Trotz allen passt für mich die Lenkerstellung so wie sie ist.   

Koffer und Gepäck:

Die Zuladung von etwas über 200kg ist für mich vollkommen ausreichend. Zumal es ca. 30kg mehr sind als ich bei der "VN1700-Voyager" hatte. Mit den Taschen, die es im Zubehörhandel in verschiedenen Varianten gibt, bekommen wir für zwei Personen das Nötige für einen zweiwöchigen Urlaub gepackt wenn das ganze in Vakuumbeute verpackt ist. Die Öffnungen von Koffern und Topcase könnten einen Tick größer sein. Wenn die Taschen gut vollgepackt sind, muss man sie etwas "reinstopfen". Die Deckel gehen aber ohne Probleme zu.

Zubehör:

Das Thema kann ich kurz machen. Für die Goldwing gibt es unzähliges Zubehör wobei dem Geschmack der Käufer kaum Grenzen gesetzt sind. Viele Teile, grade als Originalzubehör, sind für mich aber einfach überteuert. Das ist sicher der Marke geschuldet. Nach dem Motto, "Wer sich so eine teure Maschine kaufen kann, kann sich auch teures Zubehör leisten". Dem ist sicher nicht so. Viele der Käufer sparen sich das Geld lange Zeit zusammen.

M
ein Fazit:

Bis jetzt bin ich noch keine Maschine gefahren die mir so viel Spaß gemacht. Sie kann trotz ihrer augenscheinlich großen Abmaße und Masse auch sportlich gefahren werden. Auf langen Touren ist ein entspanntes cruisen möglich und man steigt auch nach mehr als 800km Strecke am Tag entspannt vom Motorrad. Der Motor hat ein gutes Durchzugsvermögen und wird selbst bei etwas höheren Drehzahlen nicht laut. Stadtfahrten im 5ten Gang sind kein Problem. Gerade dieses "leise" fahren mit dem Motorrad empfinde ich als angenehm entspannend. Der Kraftstoffverbrauch hält sich für diese "Fuhre" auch in Grenzen. Landstraßenfahrten, (bei Einhaltung der Geschwindigkeitsvorschriften und passiven fahren) werden mit einem Verbrauch von ca. 5,5l - 6l belohnt. Bei Autobahnfahrten mit Geschwindigkeiten von 130-140 km/h genehmigt sich der Motor ca. 6,5l - 7,5l. Bei etwas schnellerer Gangart auf der Autobahn mit ca. 160km/h mit Sozia kommen ca. 8,5l zusammen. Zu bemängeln ist zu diesem Zeitpunkt von mir nur die für mich gewöhnungsbedürftige Sitzposition mit zu sehr angewinkelten Beinen. Daran habe ich mich aber inzwischen gewöhnt. In Kurven, die man mit der GL1800 wirklich gut fahren kann, setzen die Fußrasten bzw. Trittbretter sehr früh auf, was das zügige Kurvenfahren etwas einschränkt. Außerdem sollte Honda mal darüber nachdenken die Windschutzscheibe elektrisch verstellbar anzubieten. Bei so einem Motorrad und dem Neupreis von ca. 30000,-€ und mehr sollte das einfach zum Standard gehören.  

Alfacounter 

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